wie es ist (und in den letzten Monaten war)

In den letzten Tagen ist mir einiges bezüglich des Blogges klar geworden.

Er spiegelt nicht mehr wieder, wie mein Alltag ist.

Die werte Dame vom Amt letztes Jahr hat mir den Blogg, bzw das offen schreiben können, gründlich kaputt gemacht.

Das Schreiben wurde weniger, weniger persönlich, geriet immer öfter auch ins Hintertreffen.

Fast zwangsläufig schrieb ich dann fast nur noch in Krisenzeiten, ein altes Relikt aus alten Zeiten, in denen das Schreiben oft half wieder etwas klarer denken zu können.

In den letzten zwei Jahren ist sehr viel passiert bei mir. Etwa Oktober 2019 war mein absoluter Tiefpunkt. Wie ich den überleben konnte (und das leider im wahrsten Sinne des Wortes), ist mir bis heute nicht klar.

Es war eine sehr schwarze und dunkle Zeit, in der Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und vor allem hoffnungslose Überforderung alles vereinnahmte.

Gegen Ende des Jahres 2019 gab es dann wieder kleine Hoffnungsschimmer, die sich leider dann in der ersten Hälfte 2020 wieder verdünnisierten.

Trotzdem diese kleinen Hoffnungsschimmer ermöglichten mir die ersten Schritte in ein Leben, wie ich es heute lebe.

Denn ich habe alles dafür getan, dass ich die Schlauchmagen-OP bekomme. Dabei ging es mir in erster Linie gar nicht darum Gewicht zu verlieren, sondern wieder mobiler zu werden.

Ich konnte mich selbst mit Rollator nur sehr kurze Strecken  (wir reden eher von 10 Schritten, nicht Metern) bewegen, Einkaufen wurde zur Qual, Atemnot mein ständiger Begleiter.

Ich zog das Programm durch, dank der Unterstützung der Adipositasambulanz hier vor Ort.

Einen Monat vor der OP wurde mir erneut der Boden unter den Füßen weggezogen, die PIA schmiss mich aus der Ambulanz. Bis heute weiß ich nicht warum, bis heute streite ich um Arztbriefe und meine persönlichen Sachen, die dort immer noch liegen.

Die Art wie dieses Ende kam, von jetzt auf gleich, kurz per Mail, ohne jede Erklärung und ohne auch nur im Ansatz von Klärungsversuchen, hat mir fast das Genick gebrochen.

Hätte zu diesem Zeitpunkt nicht der OP-Termin schon festgestanden, weiß ich nicht was ich getan hätte. So konzentrierte ich mich auf die OP und blendete alles andere aus.

In den letzten 2 Jahren ist mein komplettes (professionelles) Sicherheits- und Helfernetz weggefallen. Buchbinderei, Therapie, lange auch die Physiotherapie, ambulante Betreuung.

Bei letzterer fand kaum noch irgendwas statt, das hat sich dann zwar wieder geändert, immer noch bekomme ich nicht meine eigentlich 6 Wochenstunden,
sondern wenn’s gut ging 4.

Das mag blöd klingen, aber das konzentrieren auf die OP und die Zeit danach, hat mir vielleicht das Leben gerettet.

Der Pflegehund kam zur rechten Zeit, denn dank der OP wurde ich mobiler und dank des Hundes wurde ich auch relativ schnell fitter.

Den Rollator wurde ich nach wenigen Wochen  los, die Krücken brauchte ich noch etwas länger, doch im Laufe der Zeit, dieser 3 Monate mit Hund, konnte ich meine großen Wald- Runden wieder eigenständig machen.

Zwei meiner Nachbarn sprangen mit auf dem Zug und begleiteten mich, einer tut das bis heute, sodass wir eben auch heute noch regelmäßig unsere Wald-Runde machen.

Da ich fitter wurde, schaffte ich es dann auch mit dem Rad nach Hause.

Als ich denn Pflegehund wieder abgab, war nach relativ kurzer Zeit klar, dass hier ein Hund einziehen sollte.

Ich hatte deutlich weniger Panikattacken, Albträume, Flashbacks, ich schlief sehr viel besser, war einfach wieder stabiler, auch in der Wohnung klappt es besser. Weil zwangsläufig Struktur da war, aber eben auch jemand da war, ich nicht alleine war, und auch die Verantwortung hatte.

Und das zeigt sich mit Hund anders als bei den Katzen, für die ich ja auch die Verantwortung habe und trage.

Ohne Hund wurden die Panikattacken wieder mehr, alleine rausgehen war nicht mehr möglich,  und auch sonst verlor ich Stück für Stück die Stabilität, bis kaum mehr was da war.

Trotzdem war ein Hund in weiter Ferne. Denn dank der sehr schwarzen Zeit 2019 und 2020 und durchaus auch einiger schwarze Stunden 2021, war meine finanzielle Situation eine Katastrophe, die Wohnung war auch eher eine Katastrophe, das einzige was blieb, war meine Fitness, an der ich weiter hart gearbeitet habe.

An dieser Stelle trat ein Engel in meinem Leben. Ein Engel, der die Aussicht auf einen Assistenzhund plötzlich möglich machte. Der mir half die finanzielle Situation zu regeln, ohne dass ich Zugriff auf dieses Geld habe, sodass es eben wirklich sinnvoll eingesetzt werden konnte.

Und zwar einzig und allein mit dem Ziel einen Hund realisierbar zu machen.

Für mich war klar, nur so ist diese Hilfe auch wirklich sinnvoll, weil sie nachhaltig was verändern kann.

Das änderte nicht groß was an der finanziellen Situation im Alltag, aber es bedeutete dass diese finanzielle Situation im Alltag nicht mehr das Ausschlusskriterium für einen Hund ist, weil für diesen Unterstützung gegeben ist.

Unterstützung im Sinne von Übernahme von laufenden Kosten, die über die normalen monatlichen für Futter, Versicherung & Co hinausgeht. Unterstützung die Tierarztkosten und einen Teil der Ausbildung übernimmt. Den Teil, tatsächlich am meisten frisst.

Ich gestehe, dass ich Schwierigkeiten hatte, das anzunehmen. Es war mir auch nur möglich, weil wir diese Absicherungen darin hatten, dass ich eben nicht das Geld für was anderes nutzen kann.

Mein destruktiv ist Verhalten in den letzten zwei Jahren hatte einiges an verbrannte Erde hinterlassen und mir war wichtig, das es, wenn ich es annehme, wirklich nachhaltig was zum besseren verändert und nicht nur eine kurzfristige Hilfe/Erleichterung ist.

Dass ich da jetzt so schnell ein Hund gefunden hat, damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Und dass die Anschaffungskosten so hoch sind auch nicht.

Aber die sind fast zusammen und ich bin unendlich dankbar für all die Unterstützung und Hilfe, die mir von allen Seiten entgegengebracht wird.

Aber ohne diesen Engel, wäre das alles gar nicht möglich gewesen und nicht realisierbar und ich kann gar nicht sagen wie viel mir das bedeutet und wie sehr es mich auch berührt. Den es sind nunmal nicht die Anschaffungskosten, die das  Hauptproblem sind, sondern die laufenden Kosten, vor allem Training und Tierarzt.

Durch eine mail, über die ich mich wirklich sehr gefreut habe, wurde mir klar, dass vor allem die Leser die hier schon sehr lange mitlesen, von den Entwicklungen im letzten halben/dreiviertel Jahr nichts mitbekommen haben, nichts mitbekommen konnten.

Die werte Dame vom Amt hat wirklich gute Arbeit geleistet. Ich konnte im Blogg nicht mehr frei schreiben und so blieben es Momentaufnahmen, aber kein einigermaßen klares Abbild über meinen Alltag.

Das finde ich ehrlich gesagt sehr schade. Vor allem weil in dieser Zeit eine große Entwicklung stattgefunden hat.

Vielleicht brauchte ich dieses wirklich schwarze Jahr 2019 und das nicht sonderlich viel hellerer 2020. Mir ging es immer darum mich weiterzuentwickeln, mich nicht mit dem wie es ist nicht abzufinden, sondern an mir zu arbeiten und dafür zu kämpfen das es besser wird.

Mein Umgang mit Gefühlen ist alles andere als gut oder normal. Aber es ist auch klar, dass ich das alleine nicht ändern kann.

Nach dem Ende der letzten Therapie brauchte ich lange um damit klar zu kommen, und das Thema ist für mich sicher noch lange nicht abgeschlossen.

Aber ich saß da und wusste dann: entweder du bringst dich um oder du machst das Beste aus der Situation wie sie ist.

Denn auch klar war, dass ich mich aktuell auf keine Therapie einlassen kann, auf keinen Menschen.

Wenn ich also meinen Umgang mit Gefühlen aktuell nicht ändern kann, muss ich schauen wie ich das Beste aus der Situation mache. Muss ich mich eben damit abfinden, dass das bei mir so ist und sich jetzt nicht ändern lässt.

Das war ein langer und auch sehr schmerzhafter Prozess. Vielleicht war er auch nur möglich, weil die körperliche Fitness wieder kam und somit Sport-Skills wieder möglich wurden. Es gab also auch etwas was besser und wieder ging, auf dass ich mich konzentrieren konnte.

Bewegung und Sport hat mir schon immer gut getan. Es hat mir wirklich sehr gefehlt. Genau das war auch der Grund warum ich mich um diese OP bemüht habe – wieder aktiver sein zu können, beweglicher, Radfahren und einigermaßen gehen können, ohne sofort mit Atemnot zusammen zu klappen.

Der Pflegehund war ein Glücksfall für mich, denn ich war auch zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich sicher, dass ich einem Hund nicht gerecht würde, dass mir das zuviel ist, dass ich das nicht schaffe, körperlich und psychisch.

 

Doch siehe da, es ging, und es tat mir gut und es ging mir so viel besser mit Hund. Für den Hund gab es zu jeder Zeit auch andere Option, aber ehrlich gesagt wollte ich ihn nicht mehr hergeben, weil die Verantwortung, die Struktur, das (durchaus nicht immer einfache) Miteinander mir so gut tat und so viel Stabilität verschaffte.

Auch dieser Glücksfall tat eine Menge dazu, dass ich mich stabilisierte und es mir besser ging.

Und es macht mir klar, dass ein (Assistenz)Hund mein Leben tatsächlich weitreichend zum Positiven verbessern könnte.

Die körperliche Situation war also geklärt, die psychische auch, die finanzielle und die Wohnsituation jedoch nicht. Das es gerade zu dieser Zeit dann auch in der Betreuung mehr als genug Schwierigkeiten gab tat sein übriges.

Bei der Wohnsituation half/hilft MissMutig. Wir entrümpelen, schaffen Platz und vor allem mal eine Art Grundordnung bzw wir sind da immer noch dabei, sollten aber bis Mitte Februar fertig sein.

Bei der finanziellen Situation half, wie gesagt, dieser Engel.

Ich bin dankbar für all diese Hilfe, denn ohne sie wäre das alles überhaupt nicht möglich.

Und sie ermöglichten mir wieder zu träumen, wieder Hoffnung zu schöpfen, und mich auf mein Leben zu freuen.

Auch weil es darum ging zu prüfen was davon sind Luftschlösser, was davon ist realistisch, welche Probleme gibt es, gibt es dafür Lösungen, wie kann das alles so angepasst werden, dass es wirklich real werden kann und auch gesichert ist. Welche Hilfe brauche ich dafür.

Und wie könnte diese aussehen bzw organisiert werden. Immer auch in Hinblick darauf, dass es sich hier um ein Lebewesen handelt und es mir sehr wichtig ist, dass es diesem Hund gut geht, und zwar zu jeder Zeit, unabhängig von meinem Befinden.

Keine Frage, es ist ein riesen großer Schritt, und ja ich werde den Gürtel definitiv enger schnallen müssen. Aber das ist es mir wert und es ist machbar und realistisch, dafür haben meine Engel gesorgt.

Dieses so wertvolle Geschenk, auch das Vertrauen in mich zu setzen, bedeutet mir sehr viel und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dass es dem Hund hier gut geht, wir ein Team werden, und  – wenn er alt genug ist – gemeinsam unseren Bewegungsspielraum und Horizont erweitern, wir zusammen das neue Leben entdecken – und leben!

 

Dieser Beitrag wurde unter Betreuung, Beziehungen/Kontakte, Bonsai-Tiger, destruktives Verhalten, Erinnerungen, kleine Schritte, Leben, Psycho-Somatik, Therapie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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