Bariatrische OP – Teil 2 – IMC-Station (Intermediate Care)

Im Endeffekt war die Nacht die Hölle. Mir ging es wirklich dreckig, Schmerzmittel wirkten, aber die Mittel gegen Übelkeit nicht wirklich. Der ständige Brechreiz (im Magen war ja nichts mehr, trotzdem versuchte der Schlauchmagen sein möglichstes da auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen) tat natürlich auch höllisch weh, dazu versuchte die Lunge Schleim loszuwerden (ob da was reingeflossen oder sie schlicht auf den Tubus so reagierte weiß ich nicht), das alles war für die frischen Wunden dann doch eine große Herausforderung.

Doch in der Nacht wurde das mit der Übelkeit nicht besser, die Schwäche immer mehr, dazu kam dann Atemnot. Alle 2 Stunden stand Pflegepersonal oder Ärzte am Bett, waren sehr mitfühlend aber irgendwie auch – hilflos.

Gegen vier wurde die Atemnot dann immer schlimmer und so wurde dann nochmal eine Manschaft ans Bett bestellt – Notfall-CT (um Lungenembolie auszuschließen), Notfall-EKG, Blutabnahme (Gott sei Dank über den ZVK), jede Menge Medikamente (ich hatte teilweise 5 Flaschen und einen Perfusor dran), aber leider immer noch kein Hydrocortison.

Schon seit dem Abend, als eben die Medikamente gegen Übelkeit so gar nicht mehr wirkten und es mir immer schlechter ging, war mir klar – ich brauche Hydrocortison.

Das habe ich auch mehr als deutlich gesagt, aber irgendwie trauten die sich einfach nicht das zu geben.

Deshalb dann eben notfallmäßig Ausschließen von allem anderen und ich bekam dann auch Fieber (ein weiteres Symptom der Unterversorgung mit Hydrocortison) und irgendwie war dann auch allen klar, dass es daran liegt, aber sie kannten sich nicht aus und wer weiß, vielleicht bekäme ich ja zuviel und überhaupt haben sich ja alle ans Schema gehalten usw.

Atmen ging nur noch mit Sauerstoff einigermaßen.

Googeln hätte geholfen (Symptome der Über- bzw Unterversorgung sind sehr unterschliedlich) und so rauschte ich dann in eine heftige Addison-Krise.

Im Prinzip versuchten sie dann von 7 Uhr an den Anästhesisten zu erreichen, denn vor Narkoseeinleitung hatte ich keine Schnellinfusion bekommen und so war nicht klar, ob die überhaupt verabreicht wurde und es vielleicht daran lag (hat er aber wohl gegeben und daher zögerten sie noch weiter)

Ich lag mittlerweile nur noch heulend im Bett – ich konnte nicht mehr, die ständige Übelkeit, ich konnte kaum noch den Arm heben um den Notfallknopf zu drücken und mein Kreislauf spielte ja eh nicht mehr mit, Atmen fiel selbst mit Sauerstoff schwer, mir war im Wechsel eiskalt (inkl. Zittern) und brühend heiß, das Fieber stieg auch und so wirklich reagieren war nicht mehr drin – ich bekam schon noch alles mit, war aber irgendwie einfach nur damit beschäftigt zu Atmen und nicht zu Kotzen – da war keine Kraft mehr über für sonst was.

Um 11 hieß es dann plötzlich, dass ich verlegt werde – auf die Intermediate Care. Das ist eine Art „Zwischenintensivstation“ – also ein Bindeglied zwischen Intensiv- und Normalstation. Dort ist volles Monitoring – also EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung usw – also quasi alles was auch auf Intensiv überprüft wird, aber es ist nicht rund um die Uhr Personal neben dir (wenn auch dennoch sehr viel natürlich).

Dort angekommen erstmal die Frage was los ist – ich sagte nur brauche dringend Hydrocortison, sie hängten mir gleich eine Schnellinfusion damit an – und siehe da – so nach und nach stabilisierte sich alles wieder – vor allem die Übelkeit nahm endlich ab!

Ich fühlte mich immer noch wie unter den LKW geraten, aber endlich kam ich etwas zur Ruhe und konnte auch etwas schlafen.

Ich hätte diese Leute am liebsten einfach nur umarmt, nach 17 Stunden quasi flehen um Hydrocortison und dem Wissen – ich bräuchte nur diese blöde Infusion und dann ging es besser (das war dann auch das was mich so heulen liess, dass ich ja wusste was nötig war und dass das alles anders hätte laufen können).

Natürlich brauchte ich ein paar Stunden um da wirklich etwas aufzuholen, aber mit der Schnellinfusion war das Loch erstmal gestopft und es ging jetzt nur das mit der Erhaltungsdosis zu regeln. Es wird noch bis zum 2. Juni dauern, bis ich wieder auf meiner Normaldosis sein werde.

Sie behielten mich dann über Nacht noch dort und am nächsten Tag durfte ich wieder zurück auf Normalstation.

Natürlich erst nach einigem hin und her, ich hatte den Ärzten oben nämlich wohl einen gehörigen Schreck eingejagt und auch wenn die Ärzte der Intermediate Care schon am Abend grünes Licht für den nächsten Tag gaben, das da nochmal bestätigten und schon die Verlegung mit dem Pflegepersonal besprochen war, bestanden dann die Chirurgen doch noch auf einer Visite auf der IMC, in der sie sich (ich fand das schon fast lustig ehrlichgesagt) wirklich mind 5 Mal bei den Ärzten und 3x beim versichert hatten, dass ich auch wirklich stabil genug für die Normalstation sei.

Es war Pfingstsamstag – was die ganze Situation sicher nicht einfacher machte.

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